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10.03.2018 Drei öffentlich zugängliche Defibrillatoren (AED) in Neidlingen

Neidlingen ist gut gerüstet für den Kampf gegen den plötzlichen Herztod

Schon 2009 wurde in Kooperation mit der DRK-Bereitschaft Weilheim an der Teck, den Verwaltungsraumgemeinden und den Kreissparkassen, der „Herzsichere Verwaltungsraum Weilheim“ ausgerufen.
Unter diesem Motto waren wir deutschlandweit einer der ersten Verwaltungsräume, die flächendeckend und für jeden Bürger zugänglich, automatisierte externe Defibrillatoren -so genannte AED- bereitgestellt haben.
Mittlerweile haben viele dieses Konzept übernommen und man sieht die grünen Schilder mit weißem Herz und Blitzsymbol immer öfter.

„Warum war und ist dieses Konzept so wichtig, es gibt ja schließlich einen hauptamtlichen Rettungsdienst?“ könne man sich jetzt fragen.
Die Antwort darauf ist relativ simpel – Zeit ist Herz –
Bei den meisten Patienten in einem reanimationspflichtigen Zustand, wird initial ein Kammerflimmern festgestellt. Bei diesem Kammerflimmern steht das Herz nicht komplett still, sondern zuckt unkoordiniert.
Durch diese stetige Aktion der Muskulatur des Herzen, verliert das Herz an Energie und schädigt sich selbst – Man sagt, dass hier pro Minute Kammerflimmern, die Überlebenswahrscheinlichkeit um ca. 10% sinkt.
Man muss kein Genie in Mathematik sein um festzustellen, dass nach 10 Minuten in diesem Zustand, trotz einer guten händischen Reanimation, die Chancen für diesen Patient sehr schlecht stehen.

Ein Rettungswagen benötigt im Optimalfall von Kirchheim nach Neidlingen gute 12-15 Minuten reine Fahrzeit.
Das Konzept der ehrenamtlichen Helfer-vor-Ort baut auf diesem Prinzip auf, das therapiefreie Intervall so schnell und effizient wie möglich zu verkürzen.
So fuhren die Helfer-vor-Ort im Jahr 2017 im Verwaltungsraum Weilheim (Weilheim, Neidlingen, Bissingen, Ochsenwang, Ohmden, Holzmaden, Bundesautobahn8) insgesamt 478 Einsätze – Hiervon 58 Stück im Bereich Neidlingen.

2015 sponserte die VR-Bank Hohenneuffen-Teck einen Defibrillator für die Reußensteinhalle, Ende 2017 wurde auch in der Filiale der VR-Bank in Neidlingen ein solches Gerät installiert.
Der AED in der Reußensteinhalle war im Technikraum gut verstaut, doch dort auch relativ „versteckt und verschlossen“ und dadurch für die breite Masse nicht zugänglich.
Um dies zu ändern, engagierte sich Bürgermeister Däschler in Abstimmung mit der DRK-Bereitschaft und der Stadt Weilheim, diesen AED (ähnlich wie in Weilheim am Lindachstadion und dem Rathaus in Hepsisau) in einem beheizten und mit einer Telefonleitung verbundenen Außenkasten unterzubringen.

Seit dem 01. März ist nun dieser Defibrillator für die Bürger in der Nähe, für alle Sportler auf den Plätzen, sowie allen Besuchern der Reußensteinhalle, frei zugänglich.

Über den Notrufknopf an dem Kasten, wird eine Verbindung mit der Rettungsleitstelle in Esslingen hergestellt und man kann über eine Freisprecheinrichtung den Notruf absetzen.
Der Leitstellendisponent erkennt anhand der Telefonnummer, wo sich der Notrufer befindet und dass er die Möglichkeit hätte, einen Defibrillator freizugeben.
Handelt es sich nun um einen Notfall, bei dem der Defibrillator benötigt wird, drückt der Disponent eine Tastenkombination, die Türe des Kasten springt auf und der AED kann entnommen und verwendet werden.

Wie entscheide ich, wann ein Patient reanimiert werden und wann der Defi geholt werden muss?

- Ist ein Patient bewusstlos, drehen wir ihn auf den Rücken und überstrecken seinen Kopf – Bei bewusstlosen fällt die Zunge zurück und verlegt die Atemwege, diese bekommt man mit dem überstreckten Kopf wieder nach vorne.
- Atmung 10 Sekunden lang bei überstrecktem Kopf kontrollieren, in dem wir über das Gesicht des Patienten mit Blickrichtung auf die Brust gehen und hören, fühlen und sehen ob er atmet
- Atmet der Patient gar nicht, oder nicht normal
- NOTRUF
- Beginn der Herz-Lungen-Wiederbelebung – Oberkörper freimachen – Mitte Brustbein auf Höhe der Brustwarzen 30 mal ca. 5-6 cm tief etwa zweimal pro Sekunde eindrücken – zweimal Mund-zu-Mund Beatmung und wieder Drücken
- Im Wechsel 30 x Drücken 2x Beatmen – Bis zum Eintreffen Rettungsdienst bzw. der Helfer-vor-Ort.
- Der Defibrillator sollte, wenn anwesend, von einer weiteren Person geholt werden.
- Defibrillator anmachen.
- Defibrillator-Elektroden auspacken und auf den entblößten Brustkorb des Patienten kleben. Die Eine unterhalb des rechten Schlüsselbein auf dem Brustkorb, die Andere unter dem linken Arm (siehe Abbildung auf den Elektroden)
- Den Anweisungen des Defibrillators weiter folgen.

24h zugängliche Defibrillator-Standorte in Neidlingen:
- Reußensteinhalle vor dem Eingang, Schönbuchstraße 10
- Kreissparkasse im Vorraum, Weilheimer Straße 3
- VR-Bank im Vorraum, Wiesensteiger Straße 2

Wie funktioniert so ein automatisierter externer Defibrillator (AED) eigentlich?

Durch das Anbringen der Klebeelektroden auf dem Brustkorb, analysiert der AED selbständig den Herzrhythmus und entscheidet auf Grund von Referenzdaten, ob ein defibrillierbarer bzw. schockbarer Rhythmus besteht, oder nicht.
Sollte ein Kammerflimmern vorliegen, wird Strom in einen Kondensator geladen und per Knopfdruck ausgelöst.
Durch die Abgabe des Stromstoßes wird die elektrische Unruhe im Herzen kurzzeitig gleichgesetzt und der Sinusknoten (Taktgeber des Herzens) hat die Chance, das Herz wieder koordiniert zum Schlagen zu bringen.
Je früher das Herz selbständig die Arbeit aufnehmen kann, umso höher sind natürlich die Chancen für einen guten Ausgang dieses Zustandes.

Alle öffentlichen Defibrillatoren im kompletten Verwaltungsraum werden von der DRK-Bereitschaft Weilheim an der Teck betreut.

10. März 2018 15:59 Uhr. Alter: 1 Jahre