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Anfänge und Gründung der Helfer-vor-Ort Weilheim

Die Grundidee der Helfer-vor-Ort stammt aus den ländlichen Bereichen Amerikas, wo es über eine Stunde bis zum Eintreffen der professionellen Rettungsdienste dauern kann. Hier wurden schon früh ehrenamtliche Kräfte, sogenannte „First Responder“ (abgeleitet von first response = erste Antwort) eingesetzt, um schnell Erste Hilfe leisten zu können.

Mitte der 90er Jahre gab es einige Bereitschaftsmitglieder in Weilheim, die auch im Rettungsdienst aktiv waren.

Bei Einsätzen nach Weilheim, ins Neidlinger Tal oder auf die Schwäbische Alb mussten wir immer wieder feststellen, wie lange es dauern kann die Einsatzstellen zu erreichen und nicht selten kamen wir zu spät.

An der Gründung der Helfer-vor-Ort maßgeblich beteiligt waren Karsten Wallawitz (Facharzt für Anästhesie und Notarzt in den Medius Kliniken Nürtingen) und Steffen Stegherr (Rettungsassistent und beruflich für PhysioControl und später ZOLL im Bereich der Reanimation/Defibrillation zuständig).

Der Gedanke die Fachkompetenz vor Ort zu nutzen, kam mit dem alljährlichen Weilheimer Reitturnier. Immer wieder wurde der Reitturnier RTW für Primäreinsätze im Verwaltungsraum abgezogen um den Patienten einen Zeitvorteil zum Rettungsdienst aus Kirchheim oder Nürtingen zu verschaffen.

Schnell war uns klar, dass die Patienten lediglich ausgebildetes Personal und Material benötigten, um sie so lange zu versorgen, bis der Rettungswagen oder Notarzt aus Kirchheim da war.

So etwas konnten wir auch ohne Rettungswagen bewerkstelligen.

In den Fachzeitschriften häuften sich zu dieser Zeit Berichte zur Frühdefibrillation durch Ersthelfer, häufig noch aus den USA. Aber auch München ging hier mit gutem Beispiel voran.

Nächster Schritt war die konsequente Anmeldung unseres Einsatzfahrzeuges bei Sanitätsdiensten. Und siehe da: mit dem Wissen, dass dort Helfer mit Material einsatzbereit vor Ort waren, nahmen die Alarmierungen durch die Rettungsleitstelle konsequent zu.

Mangels offizieller Vorgaben nutzen wir das in der Bereitschaft vorhandene Rettungsdienst- und Krankenpflegepersonal zum Start und bauten das System mit Sanitätshelfern, die über Rettungsdienstpraktika und eine Frühdefiausbildung verfügten, weiter aus.

So war die Grundlage geschaffen, um am 12.02.1998 den ersten offiziellen Helfer-vor-Ort Einsatz zu vermelden. Weitere 16 Einsätze in Weilheim, Häringen, Hepsisau, Neidlingen, Bissingen und auf den Landstraßen folgten noch in diesem Jahr. Auch die erste erfolgreiche Reanimation konnte schnell vermeldet werden. Die Einsatzzahlen stiegen stetig an.

Mittlerweile werden die Helfer-vor-Ort bei jedem Einsatz des Rettungsdienstes, bei dem höchste Eile geboten ist, mit alarmiert. Das Einsatzspektrum reicht von Geburt über Herzinfarkt und Schlaganfall bis hin zu Reanimationen oder schweren Verkehrsunfällen auf der Autobahn. Auch bei Einsätzen wie zum Beispiel am 28.9.2005, als der Rettungshubschrauber Christoph 51 am Bosler abstürzte, oder einen Monat später, als auf einem Gartengrundstück am Egelsberg eine Person ermordet wurde, waren die Helfer-vor-Ort aus Weilheim als erste Kräfte zur Stelle und lotsten alle weiteren Einsatzkräfte durchs Gelände an die Einsatzstelle.

Wie man bei diesen Einsätzen sicherlich gut nachvollziehen kann, sind die Helfer-vor-Ort oft auch psychisch hohen Belastungen ausgesetzt, insbesondere bei direkter Konfrontation mit dem Tod. Daher gibt es Einsatznachbesprechungen im Team direkt nach dem Einsatz sowie persönliche Gespräche bis hin zu professioneller Notfallnachsorge, der PSU (Psychosoziale Unterstützung von Einsatzkräften).

13. November 2018 07:46 Uhr. Alter: 31 Tage