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1998 bis heute - 20 Jahre im Einsatz für unsere Bevölkerung

In 20 Jahren Helfer-vor-Ort hat sich viel getan:

1998 starteten unsere Helfer noch sehr „einfach“ ausgestattet in den Einsatz: ein unhandlicher Erste-Hilfe-Koffer aus Aluminium, mehr stand oft nicht zur Verfügung.

Ein eigenes Helfer-vor-Ort-Fahrzeug gab es nicht - das allgemeine Dienstfahrzeug der Bereitschaft musste herhalten. Bei den in den Folgejahren steigenden Einsatzzahlen kam es jedoch immer wieder vor, dass das Fahrzeug nicht verfügbar war.

Gerade bei Einsätzen auf der Autobahn, aber auch in den Außenorte oder auf der Alb ist ein Fahrzeug mit Sondersignalanlage unabdingbar. Ein Konzept wurde entwickelt, um allen Ansprüchen gerecht zu werden: Allrad, große Bodenfreiheit, Platz für fünf Helfer und für das benötigte Material.

2002 war es dann soweit: nach einer erfolgreichen Spendenaktion konnte das erste eigenständige Helfer-vor-Ort-Fahrzeug, ein Isuzu Trooper, vorgestellt werden.

Zeitgleich wurden vom Kreisverband Nürtingen/Kirchheim die ersten Frühdefis – das sind automatisierte Defibrillatoren für Laienhelfer – beschafft und so konnte relativ schnell die erste erfolgreiche Frühdefibrillationen vermeldet werden.

Beim Sport klagte eine Person über Druck auf der Brust und Schmerzen in der Schulter, unsere Helfer waren nach kurzer Zeit vor Ort und betreuten den Patienten. Während unserer Anwesenheit brach der Patient zusammen, der AED wurde aufgesetzt, erkannte das Kammerflimmern, lud den Kondensator für die Stromabgabe auf und gab den Knopf für den lebensrettenden Stromstoß frei. Noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes war der Patient wieder ansprechbar und machte sich nur Sorgen darüber, dass man doch bitte seine Lesebrille nicht vergessen dürfe.

Ende 2005 wurden die Helfer-vor-Ort innerhalb eines Monats gleich zweimal mit großem Leid konfrontiert. Der Absturz des Rettungshubschraubers Christoph 51 aus Stuttgart am Bosler kostete unsere Helfer viel Kraft und Zeit das Erlebte zu verarbeiten. Es waren die „eigenen Leute“, Kollegen, mit denen man schon den ein oder anderen Einsatz zusammen hatte. Als ersteintreffende Kräfte war es unsere Aufgabe in den Trümmern nach Überlebenden zu suchen, was sich nicht nur auf Grund der Topographie als schwierig erwies, sondern auch durch brennendes Kerosin, das den Waldboden entzündete. Leider konnten die drei Kollegen der DRF samt Patientin nur noch tot geborgen werden.

Ebenso schwer war der Einsatz einen Monat später, als ein 62-jähriger Mann auf seinem Gartengrundstück ermordet wurde.

Nur durch die vielen gemeinsamen Aktivitäten und Ausbildungen sowie das gute persönliche Verhältnis der Helfer-vor-Ort untereinander gelang es (und gelingt es noch immer) solch emotionale Einsätze zu verarbeiten.

2009 die Deutschlandpremiere: Als erste Helfer-vor-Ort Gruppe in ganz Deutschland erhielten wir die Reanimationshilfe LUCAS2. Unser LUCAS übernimmt die Kompressionen bei der Herz-Druck-Massage. Hierbei wird nicht nur gedrückt, sondern auch der Brustkorb nach oben gezogen, was zu einer besseren Durchblutung der Herzkranzgefäße führt und dem Patienten eine bessere Überlebenschance verschafft. Zudem kann der Patient unter Reanimation ins nächstgelegene Herzkatheterlabor gefahren werden, um einen evtl. Infarkt aufzulösen.

Kurz darauf nahmen wir an einer Studie der Uni Heidelberg und der DRK-Landesschule Baden-Württemberg teil. Ziel war es, eine damals neuartige Beatmungshilfe, den sogenannten Larynxtubus, im Sanitätsdienst zu etablieren. Die Helfer-vor-Ort Weilheim konnten die meisten Ergebnisse liefern. Auf Grund dieser Erkenntnisse setzte sich die Beatmung via Larynxtubus mittlerweile deutschlandweit im Sanitätsdienst durch.

2010 steigerten wir die Einsatzzahlen auf 388 gefahrene Einsätze. Dies war bis dahin und auch lange Zeit danach das „stärkste“ Jahr überhaupt. Bei 365 Tagen bedeutete das statistisch 1,06 Einsätze jeden Tag.

2016 beschlossen wir unser in die Jahre gekommenes Einsatzfahrzeug zu ersetzen. Die Bevölkerung im Verwaltungsraum sowie die Gemeinden und viele Firmen unterstützten dieses Projekt. Im Dezember konnte unser neues Fahrzeug in Dienst gestellt werden.
Der VW Amarok löste den 14Jahre alten ISUZU Trooper mit über 2.000 Einsätzen auf dem Buckel ab.

2017 folgte das bis jetzt stärkste Jahr der Helfer-vor-Ort: 478 gefahrene Einsätze. 280 davon mit dem neuen Dienstfahrzeug.

Nun sind wir im Jahr 2018 angelangt und können aktuell auf über 375 Einsätze zurückblicken.

In den vergangenen Jahren hat sich einiges getan: Anfang 2018 gab es zum ersten Mal überhaupt eine gesetzliche Erwähnung der Helfer-vor-Ort im Rettungsdienstgesetz. Das schafft eine 100%ige gesetzliche Absicherung dieses Systems.

Auch die Einsatzmuster und die Ausrichtung des Systems haben sich geändert. Zur Grundausstattung eines jeden Helfers gehört zum Beispiel seit diesem Jahr ein sogenanntes „Tourniquet“. Dieses Abbindesystem kommt aus dem militärischen Bereich und ermöglicht es starke, zum Teil lebensbedrohliche Blutungen an Armen und Beinen zu stoppen.

Fakten aus 20 Jahren HvO:

-5.555 gefahrene Einsätze

-182 Reanimationen, davon 58 primär erfolgreich

-über 3250 internistische Notfälle

-über 1000 chirurgische Notfälle

-562 Verkehrsunfälle

-256 Kindernotfälle

-81 verschiedene Helfer

-1.323 Tage mit mehr als einem Einsatz

-über 3.300 unfallfreie Einsatzfahrten mit den Einsatzfahrzeugen

-7.500 Einsatzstunden 

13. November 2018 07:51 Uhr. Alter: 31 Tage